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Mai
2017
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Versteck Dich nicht hinter „Typen“

Wir leben in einer tollen Zeit.

Uns stehen nahezu alle Wege offen und uns geht es besser als etwa 90 Prozent der Menschen weltweit.

Eigentlich sollten wir uns glücklich schätzen, oder? Und doch sind wir es nicht.

Immer wieder jammern wir über all das, was nicht klappt und all das, was besser sein könnte.

Und Schuld haben immer die anderen, oder? Von mir aus auch nur die Umstände. Aber wir? Wir können nichts dafür!

Hört sich mies an, ist aber so. Und ich nehme mich da gar nicht von aus, ich bin teilweise genauso.

Mit vielen Träumen und Zielen im Kopf stapfe ich los, reiße hier und da ein paar Bäume vor lauter Aktionismus aus und wenn dann die Euphorie nachlässt, weiß ich immer genau, was Schuld an dem Misserfolg ist.

ALS … KANN ICH DAS HALT NICHT

Ich hab Talente und ich hab Schwächen. Und somit wird es mir nicht anders gehen als Dir. Auch Du kannst einiges besser als anderes – und das ist auch gut so.

Dank des Internets und der Möglichkeit, überall Gleichgesinnte zu treffen, finden wir auch schnell Menschen, die Stärken und Schwächen mit uns teilen.

Und noch viel besser ist, dass vieles, was schon lange in uns schlummert, endlich einen Namen erhält.

So weiß ich inzwischen, dass ich nicht einfach nur wissenshungrig bin, sondern dass ich mit meinen vielen Interessen und meiner Sprunghaftigkeit zu den Scanner-Persönlichkeiten gehöre.

Auch bin ich nicht nur nah am Wasser gebaut und interessiere mich für die Gefühle anderer, sondern ich kann mich eventuell zu den Hochsensiblen zählen, wenngleich es da auch noch ein paar weitere Faktoren gibt, die zu der Annahme führen.

So gibt es noch ein paar Bezeichnungen mehr, die auf mich zutreffen und dazu sogar Blogs, Bücher und Communities, die sich mit dem jeweiligen Thema auseinandersetzen und mich genau über alle Details informieren.

Versteh mich nicht falsch… Ich finde das super! Dank dieser Klassifizierungen ist mir in den letzten Monaten vieles klarer geworden.

Ich weiß, warum ich in einigen Situationen so reagiere, wie ich es tue – und ich lerne, aus vermeintlichen Schwächen Stärken für mich herauszubilden oder die Schwächen zumindest zu akzeptieren.

Es hilft mir und wohl auch anderen extrem, die Dinge benennen zu können und zu wissen, wie damit umgegangen werden kann.

Aber ich bin nicht nur Scanner, Hochsensible oder anderes in dieser Art. Ich bin ein vielfältiger Mensch, mit unterschiedlichen Facetten.

Und vor allem sind diese Facetten nichts, hinter dem ich mich verstecken kann, wenn mal wieder etwas nicht so klappt, wie ich es ursprünglich wollte.

Typen sollten unterstützen, nicht entschuldigen

Es hat ein wenig gedauert, bis ich es verstanden habe: Je besser ich mich kennenlernte, desto eher ruhte ich mich auf einzelnen Dingen aus.

Als ich feststellte, das ich wohl zu den Scanner-Typen gehörte, hatte ich auch gleich eine Entschuldigung, wenn ich mal wieder irgendwo nicht durchhielt.

Und so ging es mir auch bei einigen anderen Dingen. Ich hab es mir verdammt leicht gemacht!

Dasselbe habe ich aber auch bei anderen beobachtet. In meinem privaten Umfeld gab es Menschen, die nie wirklich Verantwortung für ihr Leben übernahmen.

Talente in Hülle und Fülle! Fehlte nur nicht das Talent, sie auch nutzvoll anzuwenden.
(Martin Gerhard Reisenberg)

Auch online konnte ich das Verhalten bei einigen Kontakten beobachten – und sah mich darin gespiegelt.

Anstatt also voran zu gehen, mein Ding zu machen und Widerstände zu überwinden, blieb ich nett in meine Komfortzone eingekuschelt. Und ich klagte zumindest still über die Bürden der verschiedenen Facetten in mir.

Schrecklich, oder? Zum Glück erkenne ich dieses Verhalten immer eher bei mir und setze mich damit auseinander. Aber geheilt davon bin ich noch lange nicht.

Es ist schließlich so einfach, wenn ich für alles eine Entschuldigung habe.

Und andere machen es ja genauso, warum sollte ich also aus der Reihe tanzen?

Eigentlich kenne ich ja die Antwort darauf: Ich will mehr aus meinem Leben machen, ich will mehr erreichen und mehr erleben.

Das geht aber nun mal nicht, wenn ich mich keinen Millimeter aus der Komfortzone heraus bewege. Es bringt mich nicht weiter, mich auf schon erkannten Typen auszuruhen.

Vielleicht schlummern in mir ja noch viele andere tolle Facetten, die ich bisher noch nicht kennen gelernt habe. Und wenn ich nicht ins Tun komme, werde ich sie auch nie aufdecken können.

Handelst Du oder kuschelst Du noch?

Erkennst Du Dich darin wieder? Gehörst Du auch zu der großen Gruppe der Menschen, die sich in ihre Komfortzone kuscheln?

Dann wünsche ich mir von Dir eins: Steh mit mir auf, lass uns gemeinsam losziehen und Schritt für Schritt die Komfortzone hinter uns lassen.

Lass uns mit all den Stärken und Schwächen, all den verschiedenen Facetten in uns umsetzen, was wir tun wollen.

Lass uns Träume verwirklichen, Ziele erreichen und Mauern einreißen.

Lass uns einfach authentisch sein, unser eigenes Tempo finden und dennoch nie einfach stehenbleiben.

Denn darum geht es doch im Leben. Es geht darum, nach vorn zu gehen. Es geht darum, Erfahrungen zu machen.

Und soll ich ganz ehrlich sein: Momentan weiß ich noch gar nicht, wohin ich gehe, wo das Ziel der Reise ist.

Aber das ist okay, auch wenn ich teilweise damit zu kämpfen habe. Ich gehe einfach Schritt für Schritt weiter und vertraue immer stärker darauf, dass mich der Weg schon in eine Richtung treibt, die mich glücklich macht.

Und ich würde mich freuen, wenn auch Du Dich auf den Weg machst – denn nichts ist spannender und schöner, als aus seinem Versteck herauszukommen und die Welt zu erkunden!

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18 Responses

  1. Ein sehr spannender Beitrag!
    Ich setze mich momentan auch mit solchen Themen auseinander und kann dir da nur Recht geben!
    Erfahrungen machen uns so unfassbar reich – das wird kein Geld der Welt jemals schaffen.
    Reisen, ins kalte Wasser springen, Neues ausprobieren, sich weiterentwickeln … das ist es, was Leben ausmacht!
    Liebe Grüße Sarah <3

    1. Nicole

      Danke liebe Sarah! Es ist immer wieder spannend, was alles möglich ist und passiert, wenn wir uns nur trauen. Schön, dass auch Du mutig bist und diesen Weg gehst. Ich wünsch dir noch ganz viele Erfahrungen, an denen du wächst

  2. Wirklich schön geschrieben. Ich weiß auch immer noch nicht so recht, wohin die Reise führen soll oder wird. Aber irgendwo wird man schon ankommen. Und so bleibt es ja auch nur spannend 😉
    Liebe Grüße
    Jil

    1. Nicole

      Genau. Und wenn man auf einem Weg nicht weiter kommt, gibt es viele andere, die man ausprobieren kann 🙂

  3. Je älter ich werde, je mehr Erfahrungen ich in meinem Leben mache, desto mehr kommt mir zu Bewußtsein, was mich wirklich glücklich macht.
    Natürlich muss man auch lernen mit schwierigen Situationen umzugehen. Das alles kann man aber nur, wenn man den Mut hat vorwärts zu gehen und die Verantwortung für sein Handeln übernimmt.
    Liebe Grüße
    Sigrid

    1. Nicole

      Da bin ich ganz bei Dir, Sigrid. Zwar weiß ich nicht immer genau, was ich will – dafür spüre ich immer deutlicher, was ich nicht will. So trifft man Entscheidung für Entscheidung und kommt dem Ideal immer näher. Und auch jeder „Fehler“ ist eine wichtige Erfahrung, die weiterhilft

  4. Schöner Beitrag!
    Ich habe auch immer so lange hin und her überlegt, was ich nun nach dem Studium machen will. 0815-Bürojob in einem großen Unternehmen oder lieber das machen, was mich wirklich glücklich macht und ich mich verwirklichen kann?
    Ich hoffe natürlich, dass es nach dem Studium letzteres wird, aber abwarten. Ich lasse alles ein wenig auf mich zukommen. Ich werde meinen Weg finden, da bin ich mir ganz sicher. Und durch die Unterstützung meines Freundes ermutigt das natürlich noch einmal.

    Liebe Grüße,
    Laura

    1. Nicole

      Das ist eine tolle Einstellung Laura – und noch toller ist es, wenn Dein Freund Dich bei allem unterstützt. Schön ist, dass wir uns nie für den Rest des Lebens festlegen müssen, sondern uns auch immer wieder neu ausprobieren und erfinden können. Und dafür steht Dir noch sooooo viel Zeit zur Verfügung. Geh mit Spaß daran, dann wirst Du auch Deinen Weg finden.

  5. Ich bewege mich schon immer aus meiner Komfortzone heraus und sage immer und jedem meine Meinung. Nicht durch die Blume, sondern ehrlich wie ich es eben fühle und empfinde. Da macht man sich selten Freunde, aber die, die man findet bleiben für immer. Was soll ich mich verbiegen für andere, denn das macht mich nicht glücklich und führt mich nicht weiter. Ich bin also eher diejenige, die nicht mehr kuschelt. 🙂
    Liebe Grüße
    Regina

    1. Nicole

      Da bist Du schon ein ganzes Stück weiter als ich 😉 Aber ich bemühe mich und mit jedem Schritt weiter wird es besser.

  6. Herzliche Gratulation zu deinen Erkenntnissen und deinem persönlichen Wachstum! Ich sehe mein früheres Ich in deinen Worten wieder. 🙂

    Auch ich habe erkannt, dass einige Punkte in meiner Persönlichkeit keine Ausreden sind – sondern Gründe, die ich für Gutes nutzen kann.

    1. Nicole

      Danke Sam, ich denke, es ist in der Natur des Menschen, erst einmal Entschuldigungen im Außen zu suchen. Es ist ja so schön einfach. Die Erkenntnis und die darauf folgenden Schritte zur Eigenverantwortung sind dann alles andere als einfach, aber es lohnt sich, dran zu bleiben

    1. Nicole

      Na dann: Willkommen im Boot, Mia 🙂 Wünsche Dir viele tolle Erkenntnisse. Es ist überraschend, was so alles auftaucht, wenn wir uns eingehender mit uns beschäftigen.

  7. Liebe Nicole,

    wieder ein sehr gelungener Blogpost! Ich mag deinen Blog weil er Tiefgang hat und sich mit Dingen beschäftigt, die manche gerne an der „Oberfläche“ halten wollen!
    Als Wirtschaftspsychologin beschäftige ich mich natürlich oft mit solchen Themen und bemerke dass Menschen, je älter sie werden desto mehr beginnen sich um ihre persönliche Entwicklung zu kümmern. Wir bemerken unsere „Ausreden“ und haben den Wunsch uns weiterzuentwickeln – ist auch bei mir so :-)!

    Liebe Grüße aus Wien und schönen Abend!
    Verena

    1. Nicole

      Danke für Deine lieben Worte Verena – sie haben mich sehr gefreut.
      Das Reflektieren scheint wirklich eine Alterserscheinung zu sein – ich wünschte mir allerdings, ich hätte schon früher damit begonnen. Aber ich glaube, eine gewisse Lebenserfahrung ist notwendig, um einiges besser bewerten zu können.

  8. Dein Beitrag hat mich wirklich bewegt! Dieses Thema beschäftigt mich auch und ich finde es super, dass darüber geschrieben wird!

    Finde Deinen Blog echt klasse!

    Liebe Grüße
    Elina

    1. Nicole

      Danke schön Elina 🙂 Es ist schön zu sehen, dass auch andere etwas mit den Themen anfangen können.

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