25
Apr
2017
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Nachrichten

Nachrichten schauen – klar oder lieber nicht?

Umweltkatastrophen.

Unfälle.

Terror.

Jeden Tag sind unsere Medien voll von schlechten Nachrichten und ist mal für ein paar Stunden nichts Neues zu nennen, so sind es die Politiker, die uns zum Kopfschütteln bringen.

In diesen Zeiten die Zeitung zu lesen, Newsportale zu durchstöbern oder auch den Fernseher einzuschalten, kann einem schon gewaltig die Laune verhageln.

Es ist nicht wirklich so, dass es nicht auch schon früher dieses Ausmaß an aufreibenden Neuigkeiten gegeben hätte. Aber jetzt gibt es einfach viel mehr Wege, wie sie zu uns gelangen.

Doch wie geht man damit richtig um? Auf der einen Seite gehört es schließlich dazu, dass man informiert ist. Auf der anderen Seite fällt es schwer, bei all den bedrückenden Neuigkeit selbst positiv zu bleiben.

Wie viel News sind genug?

In letzter Zeit habe ich mit vielen gesprochen beziehungsweise geschrieben, die sich nicht sicher sind, wie sie mit den Nachrichten umgehen sollen.

Zu bedrückend ist das, was da auf uns alle einprasselt – und zu viel wird von den Medien auf nicht gerade angenehme Art und Weise aufbereitet.

Dazu kommen gerade in den sozialen Medien Kommentare, die nur so triefen vor Hass und Missgunst. Das hält wirklich keiner auf Dauer durch, ohne sich entweder anzustecken oder zu resignieren.

Aber ist es in Ordnung, gar keine News mehr zu konsumieren? Das geht doch auch nicht, oder?

Mich selbst beschäftigt genau diese Frage auch seit einigen Wochen oder vielleicht sogar Monaten.

Hass ist ansteckend

Ich bin den ganzen Tag schon durch den Job online und viel in Facebook und Co. unterwegs. Da ist es fast unmöglich, sich nicht zu informieren.

Das dachte ich zumindest. Denn ziemlich schnell habe ich auch festgestellt, dass ich es einfach nicht mehr schaffte, mich mit all dem Negativen zu umgeben.

Gerade die schon erwähnten hasserfüllten Kommentare haben mir gründlich die Laune vermiest. Wie Menschen sich öffentlich so äußern können, ist und bleibt mir ein Rätsel.

Die neuen Medien bringen viele neue Möglichkeiten, aber auch viele neue Dummheiten mit sich.
(Ernst Ferstl)

Genauso bin ich auch der Meinung: Hass ist ansteckend. Anders kann ich mir das nicht erklären, wie sich alles immer weiter hochschaukelt.

Aus diesem Grund halte ich mich, so gut es nur geht, von diesen News und vor allem diesen Kommentaren fern. Und hab doch noch irgendwie ein schlechtes Gewissen.

In den letzten Wochen hat sich in den Kommentarspalten noch etwas getan. In Facebook gibt es eine stetig wachsende Gruppe, die sich mit dem Hashtag #Ichbinhier gegen den Hass und die Anfeindungen stellt.

Es ist bewundernswert, was diese Gruppe leistet und auch ich bin ihr vor einiger Zeit beigetreten und schaffe es doch nicht, dort aktiv zu werden. Denn für mich ist es zu viel Hass.

Bin ich deswegen ein schlechter Mensch? Oder muss ich später mit dem Vorwurf leben, nichts unternommen zu haben?

Diese Fragen beschäftigen mich doch sehr.

Im Kleinen etwas tun kann Großes bewirken

Doch tief im Inneren weiß ich auch, es hat keinen sinn, mich mit all den Dingen zu vergiften.

Es macht mich fertig, es zieht mich runter und ich habe das Gefühl, nichts ausrichten zu können.

Aus diesem Grund habe ich für mich einen Weg gefunden, mit der Situation umzugehen.

Morgens werfe ich auf dem Tablet einen Blick in die App Flipboard und lese mir dort die Schlagzeilen des Tages durch. Dort komme ich nicht in Versuchung, mich von einem Link zum nächsten zu klicken.

Größtenteils reicht es mir, dort die Headlines zu lesen – ist irgendetwas wichtig, lese ich auch den ganzen Artikel.

Den Rest des Tages halte ich mich von Nachrichten fern. Ich rufe aktiv keine Nachrichten auf und den Fernseher haben wir eh kaum an.

Ist dann etwas im Laufe des Tages wirklich wichtig, kommt es eh irgendwie zu mir. Dann ist beispielsweise die Facebook-Timeline voll von dem Thema oder jemand erzählt direkt davon.

Ansonsten passiert es vielleicht noch einmal die Woche, dass ich über die Gruppe Ichbinhier auf etwas stoße, wo es in den Kommentaren wirklich abscheulich zugeht.

Aber auch dort versuche ich, nicht zu viel zu lesen, sondern unterstütze die Gruppenmitglieder nur mit Likes.

Und was tue ich sonst?

Ganz einfach: Ich versuche für Toleranz und Menschlichkeit in meiner direkten Umgebung zu sorgen. Ich helfe, wenn Hilfe gebraucht wird, ich respektiere jeden unabhängig von Herkunft und Hautfarbe und probiere, stets zu jedem freundlich zu sein.

Eigentlich ist das nicht viel, aber es ist doch mehr als viele andere Menschen tun. Und ich bilde mir ein, wenn ich in meinem direkten Umfeld so agiere, dann gebe ich damit auch etwas weiter.

Wenn unter zwanzig Menschen, denen ich auf diese Art begegne, nur einer ist, der daraufhin ähnlich agiert, hat sich schon etwas verändert. Und so zieht es immer weitere Kreise.

Verantwortung der Medien

Hasskommentare sind inzwischen überall ein großes Thema und Facebook soll hier beispielsweise Verantwortung übernehmen.

Meines Erachtens nach ist das jedoch ein falscher Ansatz. Es ist für Facebook nicht machbar, alles im Auge zu behalten und Algorithmen neigen hier immer zu Fehlern.

Für mich sind hier vielmehr die Medien gefragt, die Nachrichten so verbreiten, dass sie kontroverse Diskussionen auf niedrigem Niveau hervorrufen.

Die Massenmedien unserer Zeit bieten dem aufmerksamen Beobachter immerhin eine Chance, die Lüge von gestern mit der Lüge von heute vergleichen zu können.
(Erich Limpach)

Schon in der Überschrift wird oft gehetzt und die Berichte selbst sind an einigen Stellen sehr vage ausgedrückt, damit sie Raum für Spekulation bieten.

Gibt es keine Fakten, wartet man nicht mehr, bis sie vorhanden sind, sondern versucht dennoch der Erste zu sein, der die News bringt.

Und geht es dann in den Kommentaren hoch her, dauert es mitunter Stunden, bis eine erste kleine Warnung kommt. Nur wenn es gar nicht mehr anders geht, wird auch mal gelöscht. Bis dahin freut man sich über die erzielte Reichweite.

Dass sich hier etwas ändert, ist natürlich nur ein Wunschdenken. Bis dahin muss jeder für sich entscheiden, wie er mit den Nachrichten umgeht.

Wie hältst Du es? Schaust oder liest Du Nachrichten? Beteiligst Du Dich an den Diskussionen?

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