29
Apr
2017
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Allein sein

Mit mir allein sein? Nicht ganz leicht

Ständig herrscht um uns herum eine Menge Trubel.

Es gibt viel zu erledigen und noch mehr Menschen, die in irgendeiner Art unsere Aufmerksamkeit erreichen möchten.

Noch dazu gibt TV, Radio, Musik, Podcasts, Hörbücher und vieles mehr – Stille ist immer seltener.

Ohne Stille sind wir allerdings auch immer irgendwie mit anderen verbunden (und sei es nur, weil wir zuhören). So richtig allein sind wir also so gut wie nie.

Darum geht es auch in einem Artikel, den ich heute gelesen hab.

Unter anderem ist da auch von einem interessanten Versuch die Rede, in dem Menschen einfach 15 Minuten in einem Raum ohne Ablenkung sitzen sollten.

Ach, das ist doch kein Problem – so denken wir alle zuerst. Aber sei bitte ehrlich zu Dir: Würdest Du wirklich 15 Minuten in völliger Ruhe aushalten?

Viele Menschen in dem Versuch schafften es nicht – sie haben sich sogar damit abgelenkt, sich selbst Stromstöße zu verabreichen.

Anfangs hielt ich das wirklich für skurril, doch dann dachte ich ein wenig nach.

Ich kann nicht nichts tun

Ich glaub, ich hätte auch große Probleme damit, einfach 15 Minuten mit mir und meinen Gedanken allein zu sein.

Wenn ich ganz ehrlich bin: Ich kann nicht mehr nichts tun. Das ist mir schon vor einiger Zeit aufgefallen.

Wie sich das äußert? Ich bin ein kleiner Serien-Junkie und bin daher großer Fan von Netflix, Amazon Prime und Co. Mein Problem dabei: Ich kann nicht einfach eine Folge einer Serie schauen und sie genießen – ich muss etwas nebenbei tun.

Um die Einsamkeit ist’s eine schöne Sache, wenn man mit sich selbst in Frieden lebt und was Bestimmtes zu tun hat.
(Johann Wolfgang von Goethe)

Ob es nun eine Handarbeit ist, ich mir Notizen zu einem Projekt mache oder (wie jetzt gerade) einen Blog-Beitrag schreibe… Es ist alles gut, so lange ich nicht einfach nur da sitze und die Serie schaue.

Ähnliches zeigt sich auch in anderen Situationen. Einfach nur da sitzen und etwas anschauen – nein, das geht nicht.

Einzig das Lesen funktioniert, ohne dass ich unruhig werde. In ein gutes Buch kann ich auch mal für ein oder zwei Stunden abtauchen.

Ansonsten werde ich bei allem, bei dem ich nicht das Gefühl habe produktiv zu sein, schnell unruhig.

Und das allein sein?

Ähnlich geht es mir, wenn ich allein bin. Da ich gemeinsam mit meinem Mann arbeite, sind wir beinahe rund um die Uhr zusammen und für gewöhnlich klappt das sogar recht gut 😉

Seltsam wird es dann, wenn ich wirklich mal allein bin. Wenige Stunden sind da noch in Ordnung, alles darüber hinaus macht mich wieder unruhig.

Stelle ich mir jetzt vor, ich müsste allein in einem Raum sitzen, ohne etwas zu tun, wäre das also nicht gerade eine angenehme Situation für mich.

Ob ich zu denen gehöre würde, die sich wie eingangs erwähnt Stromstöße verabreichen? Ich kann es nicht ausschließen, auch wenn ich es gern würde.

Schön ist das alles natürlich nicht. Aber ich weiß auch, dass ich damit nicht allein bin. Es geht immer mehr Menschen so.

Unser Umfeld und der Druck von außen sorgen dafür, dass wir immer mehr leisten wollen – und wer faul herum sitzt, passt nicht ins Bild der Leistungsgesellschaft.

So verlernen wir nach und nach, Ruhe zuzulassen und sogar zu genießen.

Ist Meditation die Antwort?

Seit ich festgestellt habe, dass ich nicht mehr einfach nur herum sitzen kann, beschäftigt mich die Frage, wie ich das wieder lerne. Schließlich sind Pausen wichtig und die besten Ideen kommen dann, wenn man einfach mal zur Ruhe kommt.

Einsamkeit ist die Schule der Weisheit.
(Deutsches Sprichwort)

Das war auch ein Grund dafür, dass ich mit der Meditation begann. Einfach mal dasitzen und nichts tun – das wollte ich zumindest für ein paar Minuten wieder können.

Und klappt es? Nun ja, noch nicht immer so ganz, aber es wird Tag für Tag besser. Bei geführten Meditationen hält sich die Unruhe in Grenzen.

Und bei stillen Meditationen schaffe ich immerhin zwischendurch mal wieder eine Minute, in der ich einfach nur bin und atme. Viel ist das vielleicht noch nicht, aber es ist ein Anfang und es tut mir gut.

Mein Ziel ist es, mir in absehbarer Zeit wieder selbst genug zu sein. Denn nichts tun, tun wir doch oftmals viel zu wenig, oder?

Update 30.04.2017

Gerade eben las ich noch ein Interview mit Judith Holofernes (Wir sind Helden) – und auch da geht es ums Allein sein mit sich selbst und darum, das Nichts-Tun zuzulassen. Besonders interessant fand ich die Aussage:

Am Ende habe ich es geschafft, vier Stunden auf dem Sofa zu liegen und vor mich hinzugucken. Nichts lesen, keine Musik. Die erste halbe Stunde ist okay, dann wird es echt unangenehm, man fühlt ein Ziepen und Ziehen überall am Körper.
(Judith Holofernes, ZEIT Magazin)

Wie geht es Dir mit diesem Thema. Kannst Du mit Dir und Deinen Gedanken allein sein? Oder macht Dich das auch nervös?

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