26
Mai
2017
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Nahrung

Hast Du noch einen Bezug zu Deiner Nahrung?

Tüte auf, ein paar Zutaten zusammen kippen und schon ist ein leckeres Essen fertig.

So dürfte bei vielen der Koch-Alltag aussehen. Anders lässt es sich nicht erklären, dass die Regale mit dieser Tüten-Nahrung immer größer werden.

Aus wenigen Zutaten entsteht so schnell ein Essen für die ganze Familie und irgendwie schmeckt es mit der Zeit ganz gut.

Fürs richtige Kochen haben wir schließlich alle keine Zeit. Und die Werbung suggeriert ja auch, dass dieses Essen gesund für uns und unsere Familie ist.

Und ist es nicht das Tütengericht, dann die Tiefkühlgerichte oder auch der Bringdienst, bei dem inzwischen ganz einfach per App bestellt und auch bezahlt werden kann.

Das Essen selbst findet dann meist nebenbei statt. Ob nebenbei der Fernseher läuft, wir durch die Facebook-Timeline scrollen oder sonst irgendwas tun – nur einfach essen ist doch langweilig.

Kommt Dir das alles bekannt vor? Wenn ja, dann sei Dir gewiss, dass Du Dich in bester Gesellschaft befindest.

Du bist, was Du isst!

Ich muss zugeben, mir war Essen lange Zeit egal. Das weiß ich zumindest heute. Damals dachte ich, dass ich einfach gern deftig esse.

Ich war öfters im Monat im Fastfood-Restaurant, Mittagessen gab es in der Kantine und am Wochenende war Pizza hoch im Kurs. Dazu dann noch Süßigkeiten und die schlechte Ernährung war perfekt.

Auch habe ich zu denen gehört, die sich stolz auf die Schulter klopften, wenn sie mithilfe einer dieser Fix-Tüten eine Mahlzeit zubereitet haben.

Gepaart mit zu wenig Bewegung, zu viel Stress und zu viel Arbeit passierte, was passieren musst: Ich nahm extrem zu, war ständig müde, bekam Hautprobleme und so weiter, und so fort.

Es gibt niemanden, der nicht ißt und trinkt, aber nur wenige, die den Geschmack zu schätzen wissen.
(Konfuzius)

Entschuldigungen dafür fand ich natürlich auch schnell. Es war nicht die falsche Ernährung, es war nur der Stress, eine Phase, bald würde alles wieder besser.

Das wurde es jedoch nicht, wie Du Dir sicher vorstellen kannst. Einmal an diese Ernährung gewöhnt, ist es schwer, wieder davon wegzukommen.

Aber ich habe es geschafft. Klar, hin und wieder gibt es auch mal eine Pizza, aber ansonsten wird jeden Tag frisch gekocht, ohne Tütchen dabei – und das Essen schmeckt plötzlich ganz anders.

Schätzen wir, was wir essen?

Ich schreib das alles nicht, weil ich plötzlich als Missionarin für gesunde Ernährung losziehe. Auch bei mir besteht noch genug Raum zur Optimierung.

Aber ich hatte vor wenigen Tagen ein Gespräch mit einem Bekannten. Wir sprachen über dies und das und landeten auch beim Thema Essen.

Im Laufe des Gesprächs erwähnte ich, dass ich jeden Tag koche, obwohl es manchmal echt knapp mit der Zeit ist. Er erzählte mir dann, dass bei ihnen vor einem halben Jahr der Thermomix eingezogen ist.

So sprachen wir auch darüber und ich räumte ein, dass es für eine Familie wohl eine tolle Erleichterung beim Kochen ist – für mich persönlich kommt es allerdings nicht in Frage.

Ich weigere mich einfach, für ein Kochgerät so viel Geld auszugeben. Mein Bekannter räumte dann auch ein, dass ihm da einfach die Röstaromen fehlen – denn was früher in der Bratpfanne landete, ist jetzt im Thermomix.

Und er fand es selbst etwas seltsam, genau nach Rezept die Zutaten darin verschwinden zu lassen – und im Endeffekt nicht mehr wirklich zu kochen. Es ist halt doch die Bedienung einer Maschine.

Genau das brachte mich zum Grübeln. Denn irgendwie verliert man doch dadurch auch den Bezug zu den Nahrungsmitteln, oder?

Kochen – meine Küchenmeditation

Ich gebe ehrlich zu, dass ich keine begnadete Köchin bin. Und ich hab auch selten wirklich Lust darauf.

Aber ich stelle mich inzwischen jeden Tag an den Herd und es gibt jeden Tag frisches Gemüse. Und es nervt mich auch jeden Tag, Zeit dafür opfern zu müssen.

Wenn ich jedoch ganz ehrlich bin, genieße ich es doch ein bisschen. Wenn ich gegen Abend den Computer verlasse und mich mit Messer und Schneidebrett bewaffnet dem Gemüse widme, fange ich an zu entspannen.

Unsere Großmütter standen oft stundenlang am Herd, um voller Geduld für die Familie zu kochen. Die Enkelgeneration steht minutenlang voller Ungeduld an der Mikrowelle, um auf das Heißwerden des Fertiggerichts zu warten.
(Karl Werner Dickhöfer)

Während ich in Scheiben schneide, würfele, aushöhle usw. komme ich zur Ruhe. Ich lassen den Arbeitstag Revue passieren, denke über anstehende Herausforderungen nach und formuliere auch mal den Blog-Text für einen Kunden im Kopf vor.

Und irgendwann ist dann der Punkt erreicht, wo Ruhe im Kopf einkehrt. Dann ist das Gemüse meist schon fertig geschnitten und gemeinsam mit anderen Zutaten in der Pfanne gelandet.

Ruhig und gleichmäßig rühre ich dann um und blende alles andere aus. Ich meditiere sozusagen am Herd. Und das sind die Momente beim Kochen, die ich liebe.

Essen ist für mich mehr als Nahrungsaufnahme

So hat sich mit der Zeit der Bezug zu Nahrungsmitteln für mich doch sehr geändert. Sie sind nicht einfach nur Mittel zum Zweck, sondern etwas, um das ich mir viel Gedanken mache.

Plötzlich interessiert es mich, wo mein Essen herkommt. Ich freue mich, wenn ich auf regionale Produkte zurückgreifen kann und denke auch darüber nach, was bestimmte Nahrungsmittel für oder gegen meinen Körper tun.

So halten immer mehr gesunde Dinge Einzug in die Küche und ich probiere neue Rezepte aus oder mische einfach selbst was zusammen. Sehr aufwändig mag ich es auch heute nicht – aber das muss es ja auch nicht sein.

Das mit der gesunden und bewussten Ernährung auch viele positive Auswirkungen auf mich und meinen Körper einhergehen, brauche ich sicher nicht erwähnen.

Mein Wunsch:

Ich fände es schön, wenn Nahrungsmittel für uns alle wieder an Wert gewinnen und das Fast Food dem Slow Food weicht. Aber ich weiß auch, dass es ein schwerer Weg dahin ist und dass es keinen Sinn hat, Menschen missionieren zu wollen.

Aber steter Tropfen höhlt den Stein… wenn man einfach oft genug mit dem Thema konfrontiert wird, findet vielleicht ein Umdenken statt.

Und seien wir doch mal ehrlich: Unser Körper ist echt ein Wunderwerk und braucht guten Input, um all das zu leisten. Es liegt also ganz allein bei uns, wie lange diese Maschine noch funktioniert.

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