13
Apr
2017
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Der Glaube ist etwas Schwieriges

Eine Frage des Glaubens

Es gibt einige Dinge im Leben, über die lässt es sich nicht mal so einfach nebenbei reden. Es ist sogar nicht einfach, darüber nachzudenken.

Der Glaube gehört für mich zu diesen Dingen.

Ich wüsste gar nicht, wann er das letzte Mal bei mir Thema in einem Gespräch war. Und es ist auch erst einige Wochen her, dass ich mir seit langem mal wieder die Frage stellte: An wen oder was glaube ich?

Glaube ist wirklich ein sehr heikles Thema, oder? Die wenigsten Menschen bekennen sich heute noch offen dazu, an etwas oder jemanden zu glauben.

Und steht jemand zu seinem Glauben, wird schnell eine Schublade geöffnet, wo die Vorabsortierung stattfindet. Selten wird man den Personen aber damit gerecht.

Ist man hingegen Atheist, sagt man das oft voller Überzeugung und fühlt sich vielleicht schlauer als der Rest. Schließlich ist man realistisch und lässt sich nichts vormachen.

Zu glauben ist schwer, nichts zu glauben ist unmöglich.
(Victor Hugo)

Schlussendlich gibt es noch jene Menschen, die weder glauben noch nicht glauben. Sie sind unentschlossen oder auch einfach uninteressiert und irgendwann wird der Zeitpunkt kommen, an dem sie sich für die eine oder andere Seite entscheiden.

Ich habe den Glauben nicht hinterfragt

Als Kind habe ich den Glauben nie hinterfragt.

Ich wurde als Baby in der evangelischen Kirche getauft und da meine große Schwester den Kindergottesdienst mit betreute, ging ich dort auch ganz selbstverständlich an jedem Sonntag hin.

Als ich sechs oder sieben Jahre alt war, fuhr ich mit dem evangelischen Jugenddienst in den Sommerurlaub. Es war eine Kinderfreizeit, meine Schwester war als Betreuerin dabei.

So wuchs ich weiter mit der Kirche auf und es war völlig normal für mich.

Im Teenager-Alter war die Kirche für mich eine große Stütze, etwas woran ich mich orientieren konnte.

Wieder habe ich in der Zeit nicht meinen Glauben hinterfragt, aber der evangelische Jugenddienst spielte eine große Rolle für mich. Ich machte eine Ausbildung als Betreuerin mit, richtete selbst den Kindergottesdienst mit aus und betreute schlussendlich auch eine Kinderfreizeit.

Im Nachhinein sind es vor allem die Menschen, die mir in jener Zeit wichtig waren. Es war ein bunter Haufen mit Diakonen und Jugendleitern, die uns Mut gaben, unser Leben anzugehen.

Auch gab es zwei Pastoren in unserem Ort, zu denen ich ein sehr gutes Verhältnis hatte und durch Konfirmation und andere kirchliche Aktivitäten war ich dort ein wenig verwurzelt.

Geändert hat sich das, als ich zur Ausbildung weggezogen bin. Ab da spielte Kirche keine große Rolle mehr für mich. Die Menschen fehlte, der Glaube war ein uncooles Thema.

Später heiratete ich auch noch kirchlich, mehr aus Traditionsbewusstsein als aus Glauben – und inzwischen bin ich aus der Kirche ausgetreten.

Ist Religion bzw. Glaube eine Stütze oder ein Problem?

Heute sehe ich den Glauben und die Religion sehr kritisch. In unserer Zeit werden diese beiden Dinge oft als Entschuldigung für Intoleranz genutzt – auf allen Seiten.

Natürlich, im Namen der Religion wurden schon seit Anbeginn der Zeit Kriege geführt. Aber heute ist es für uns sehr real und nicht mehr so weit weg, wie es einige gerne hätten.

Verurteile ich eine Religion oder ihre Anhänger? Nein! Ich verurteile es nur, wie einige Menschen die Religion für sich auslegen und sich das Recht heraus nehmen, anderen in Namen irgendeines Gottes zu schaden.

Vielleicht fühle ich mich auch deshalb keiner Religion zugehörig. Was jedoch nicht heißt, dass ich mich völlig abgewendet haben.

Glaubenssachen sind Liebessachen, es gibt keine Gründe dafür oder dagegen.
(Wilhelm Busch)

Irgendwie bin ich doch noch mit der evangelischen Kirche verbunden. Ich habe einige Traditionen übernommen und bei den Konfirmationen meiner Nichten und Neffen war ich mit in der Kirche und habe auch das Abendmahl empfangen.

Meine Verbundenheit ist allerdings nicht groß genug. Vielmehr ist da auch noch eine Neugier für andere religiöse Lehren, die ich noch für mich erkunden möchte.

Und dann? Dann möchte ich mir für mich das Recht herausnehmen, meinen eigenen Glauben zu entwickeln und zu leben.

Gibt es das Göttliche?

Derzeit lese ich ein Buch, dass mir seit circa einem Jahr von vielen verschiedenen Menschen empfohlen wurde: Gespräche mit Gott von Neale Donald Walsch (*).

Obwohl mir versichert wurde, dass dieses Buch nicht so ist, wie man es erwartet, habe ich lange einen Bogen darum gemacht. Irgendwie fühlte es sich nicht richtig an, es zu lesen.

Jetzt ist anscheinend der richtige Zeitpunkt gekommen, denn ich genieße es sehr, in diesem Buch zu lesen. Und ja, es ist anders als erwartet.

Und es ist tröstlich!

Es zeigt mir, dass es nicht diesen einen Gott gibt, dem wir gefallen müssen und der uns unser Leben lang prüft und alles verachtet, was uns Spaß macht.

Vielmehr wächst jetzt in mir das Gefühl, es gibt da irgendetwas, an was ich glaube. Und dieses Etwas ist gütig, voller Liebe und erlaubt mir, alle Erfahrungen zu machen. Es lacht mir mir und weint mit mir. Und es hält mir die Hand hin, wenn ich Hilfe benötige.

Aber es richtet und verurteilt nicht. Es schreibt mir nichts vor und rümpft auch nicht die Nase, wenn ich mal den falschen Weg einschreibe.

Und soll ich Dir etwas sagen: An ein solches Etwas glaube ich gern. Vielleicht finde ich noch einen Namen dafür, ansonsten können wir es auch gern weiter Gott nennen. Das ist eigentlich völlig egal.

Über das Buch werde ich sicher noch einen gesonderten Beitrag schreiben, denn da ist ganz viel Wichtiges drin.

Bis dahin interessiert mich:

Glaubst Du?

Bild: Unsplash

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15 Responses

  1. Den Satz finde ich sehr toll: Zu glauben ist schwer, nichts zu glauben ist unmöglich.

    Ich muss gestehen ich setze mich nicht so sehr mit Religion auseinander, erst seitdem ich seit 1,5 Jahren meinen Freund habe, habe ich mich ein bisschen damit beschäftigt da er evangelisch ist und ich katholisch …

    Da wir beide aber nicht sehr gläubig erzogen wurden und unsere Familie da auch nicht soviel Wert setzen, ist bei uns dass nur selten Thema.

    Trotzdem lese ich gerne Beiträge dazu.

    LG Danie von http://www.Daaaniieee.at

    1. Nicole

      Ja, irgendwie ist das mit der Religion echt etwas, was nur hin und wieder ein aktuelles Thema ist und dann mal wieder aus den Gedanken vollständig verschwindet

  2. Ich habe auch die Bücher von Neal Donald Walsh hier aber ob ich glaube, ist schwer zu beantworten. Mir ist in letzter Zeit so viel passiert, dass ich denke – Würde es da was geben, wäre das alles nicht SO passiert, wie es passiert ist. Dann wiederum glaube ich aber, dass es mehr zwischen Himmel und Erde gibt. Ja, ich glaube aber ich glaube, dass mein Glaube etwas kompliziert ist. Danke, für Deine Gedanken zu der Thematik.

    Liebe Grüße, Yvonne

    1. Nicole

      Genau diese Dinge mit den schlimmen Erfahrungen machen es mir auch sehr schwer. Ich hab meine Probleme damit, es als „Erfahrung, die von der Seele gemacht werden möchte“ zu akzeptieren.

  3. Liebe Nicole,
    ja, das mit dem „Glauben“ ein schwieriges Thema … also ich bin röm. kaht. … wurde in einen katholischen Kindergarten (mit Klosterschwester), anschließend in ein katholisches Gymnasium gesteckt. Ich habe hier ein kleines „Trauma“ davongetragen und tu mich gerade mit diesem Thema sehr schwer … aber ich glaube an Gott!
    Ich wünsche dir noch einen schönen Abend!
    Liebe Grüße
    Verena

    1. Nicole

      Ich höre das oft von Menschen, die in katholischen Schulen oder ähnlichem waren. Mein Gefühl ist, dass der evangelische Glaube „lockerer“ ist und nicht so streng. Das macht es vielleicht gerade im Kindes- und Jugendalter leichter.

  4. Ich sehe es in vielen Bereichen so wie du, habe meine Religion nie hinterfragt aber finde es schon eine Frechheit, dass viele sich ihren Glauben so auslegen wie sie es gerade brauchen und diesen als Vorwand für ungerechte Taten nehmen um diese gerecht wirken zu lassen! Glaube ist eine persönliche Meinung und sollte auch genau SO gesehen werden-keinen Glauben aufzwingen und jeden glauben lassen was er möchte aber bitte ohne Gewalt und Zwang!
    Ich bin schon sehr gespannt auf deinen Beitrag zu diesem Buch!

    Viele Grüße
    Denise von
    http://www.lovefashionandlife.at

  5. Das ist ein sehr spannendes Thema.

    Ich persönlich bin katholisch aufgewachsen. Hinterfragt habe ich die Kirche zum ersten mal in der dritten Klasse – kurz vor der Kommunion. Fragen habe ich seitdem immer wieder gestellt – aber nicht den Glauben.
    Der fing mit 17 oder 18 an zu bröckeln. Seit meinen frühen Zwanzigern bin ich Atheistin. Mit 24 bin ich dann ausgetreten und es hat sich so richtig, wie selten etwas in meinem Leben angefühlt.
    Seit ich mich mit dem Humanismus befasse, habe ich meine „Schublade“ gefunden. Wobei ich den Eindruck habe, dass diese Schublade meinem Umfeld wichtiger ist als mir. Nichts zu sein, das geht für die Oma nicht. Mit dem Humanismus kann sie zwar nicht viel anfangen, aber „Die Alicja ist nicht Christin, sie ist Humanistin“. Wenn es sie beruhigt…

    Ich persönlich meine, dass die Welt ohne Religionen eine bessere wäre. Natürlich weiß ich, woher Religionen kommen und wie sie entstanden sind. Aber im Namen dessen, wer denn jetzt Recht hat, wurden viel zu viele Menschen gefoltert und gemordet. Für ein Wesen oder eine Kraft, die keine dieser Religionen jemals beweisen konnte.

    Würde jemand im Namen vom Spaghettimonster Kriege anfangen, man würde ihn heute in die Psychiatrie stecken. Ich weiß, Gläubige wollen das oft nicht hören. Sie wollen nicht hören, dass ich sage: Ich glaube an keine Waldelfen, an keine Gnome , keine Feen und eben auch an keine Götter. Oft genug wurde ich angegriffen, man könne dies nicht vergleichen. Finde ich schon. Der Glaube an ein übernatürliches Wesen, dessen Existenz nicht bewiesen werden kann.

    Verurteile ich Gläubige? Nein. Jeder darf Halt und Trost darin finden, wo er es für richtig erachtet. Ich möchte aber umgekehrt genauso nicht für meinen Atheismus verurteilt werden. Meine Erfahrung ist aber, dass Menschen ohne Glauben viel eher ver- und beurteilt werden, als Gläubige.

    Ein komplexes und spannendes Thema, über das ich immer wieder gerne diskutiere.

    Viele Grüße

    1. Nicole

      Danke für deine lange und ehrliche Antwort Alicja. Ja, was im Namen der Religion passiert, ist weder verständlich noch gutheißbar – und doch wird es immer und immer wieder als Entschuldigung für den Hunger auf Macht genommen.
      Wie Du bin ich der Meinung, jeder soll für sich entscheiden, an was er glaubt oder halt auch nicht. Glaube ist im Endeffekt auch nur ein Gefühl und Gefühle können weder vorgeschrieben noch verurteilt werden.

  6. Hallo, schöner Beitrag 🙂
    ich bin vor 21 Jahren in eine evangelische Familie hinein geboren worden. Meine ganze Familie ist fest verwurzelt mit der Kirch – meine Mutter ist Kirchnerin und macht die Finanzen, mein Vater war schon immer Leiter des Kirchenchors und spielte Orgel, meine Tante pflegt den Friedhof und ihr Mann ist Totengräber… so wurden wir schon als kleine Kinder (also ich und meine Brüder) eingespannt.

    Als Kind gehört es einfach dazu. Man wurde so geboren und stellt keine Fragen. Aber meine Eltern haben uns nie gedrängt (höchstens mit Nachdruck darum gebeten 😀 ). Bis ich 18 war übernahm ich gerne Aufgaben und Ämter in unserer Gemeinde. Es gab natürlich trotzdem Zwischenfälle mit der Familie und der Gemeinde. Ich passe da eben nicht in die Schublade – denn ich bin Gothic/Grufti/Schwarzkittel… nenne es wie du magst.

    Als ich begann mich auch entsprechend meiner Gedanken zu kleiden, gab es viele Gespräche und sorgenvolle Fragen. Es dauerte circa 2 Jahre um die Leute davon zu überzeugen, dass ich mich nicht verändert habe und trotz Springerstiefel und langem Mantel kein Satansbraten bin 🙂

    Ich muss ehrlich gestehen: es gab von Christen mehr Probleme als aus der Szene heraus. Klar wurde gescherzt. Aber die Leute sind oft selbst sehr spirituell oder gläubig. Man stutzte oft, weil Christen eben doch oft die „Gegner der schwarzen Szene“ sind, aber das war eher positiv gemeint.

    Meine Erfahrung ist:
    eigentlich glaubt jeder Mensch an etwas. bei manchen ist es ein Gott oder höhere Macht. einige glauben an die Menschheit und die Politik. Andere vertrauen auf die Natur oder die Wissenschaft. Die nächsten klammern sich ans Geld.

    Ich halte es so: für mich ist der christliche Glaube meine Wahrheit. Wenn es dann doch nicht wahr ist, hatte ich wenigstens etwas, worauf ich hoffen konnte.

    Liebe Grüße > sara

    1. Nicole

      Vielen Dank für Deine Geschichte, Sara. Ich kann mir vorstellen, dass es in der Gemeinde für Aufsehen gesorgt hat als Du Dich verändert hast. Ganz besonders toll gefällt mir der letzte Absatz, den Du geschrieben hast. Das sollten ganz viele lesen und verinnerlichen. Es zeigt so schön, dass Glaube nichts ist, über das man streiten kann. Er ist da und zeigt sich für jeden anders.
      Darf ich die beiden Sätze als Zitat ausarbeiten und verwenden?

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