4
Jun
2017
1
Achtsamkeit

Achtsamkeit – L(i)ebe den Moment!

Achtsamkeit ist ein Wort, dass derzeit leider etwas überstrapaziert wird. Überall wird damit geworben und es ist zum Trend geworden, achtsam zu sein.

Aber was genau verbirgt sich denn hinter dieser Achtsamkeit und brauchen wir sie wirklich?

Ich muss zugeben, als ich das erste Mal mit dem Thema Achtsamkeit in Berührung kam, hab ich es komplett falsch verstanden.

Für mich formte sich gleich ein sehr esoterisch angehauchtes Bild von jemandem, der leicht debil lächelnd durchs Leben schreitet und stundenlang mit wachsender Begeisterung jedes Detail in der Umgebung wahrnimmt.

Ich hab keine Ahnung, ob nur ich allein solch seltsame Bilder mit dem Wort verbunden hab. Vielleicht gibt es ja auch andere, die damit erst einmal nichts anfangen konnten.

Fakt ist jedoch, dass ich mich dann irgendwie doch mehr damit beschäftigte und schließlich meinen Zugang zu dem Thema fand.

Was ist Achtsamkeit überhaupt?

Ich trau mich ja fast nicht, es zu sagen – aber ich habe die Bedeutung von Achtsamkeit durch ein Bild gelernt, das ich irgendwann auf Facebook gesehen hab.

Auf diesem Bild ging ein Mann mit seinem Hund spazieren. Beine hatten eine Gedankenblase über dem Kopf. Beim Hund war in dieser Gedankenblase das eigentliche Bild vom Spaziergang zu sehen. Beim Mann fanden sich in der Gedankenblase die Themen des Alltags, also Job, Geld, Beziehungen usw. wieder.

Dieses Bild hat mich enorm angesprochen. Wahrscheinlich auch, weil ich mich selbst darin wiedererkannt habe.

Wenn die Achtsamkeit etwas Schönes berührt, offenbart sie dessen Schönheit.
Wenn sie etwas Schmerzvolles berührt, wandelt sie es um und heilt es.
(Thich Nhat Hanh, „Das Glück einen Baum zu umarmen“)

Ich selbst laufe oft genug mit meinem Hund durch die Gegend und dachte oft, dass ich überhaupt nicht verstehe, was an einem Spaziergang so entspannend sein soll.

Jetzt weiß ich: Es kann nicht entspannend sein, weil ich ja ganz woanders bin. Mental plane ich den Rest des Tages, überlege, welche Rechnungen zu bezahlen sind und einiges andere.

Ich bin also überall, nur nich beim Spaziergang. Und so kann dass mit der Entspannung nichts werden.

Mein Hund hingegen ist ein guter Lehrer in Achtsamkeit. Er genießt jeden Spaziergang, schnüffelt sich den Weg entlang, freut sich, wenn wir gemeinsam spielen und liegt auch gern mal einfach so im Gras und sonnt sich ein wenig. Er lebt im Hier und Jetzt.

Und genau das ist Achtsamkeit für mich.

Achtsamkeit im Alltag

Wie Du sicher auch weißt, reicht es nicht aus, einfach etwas zu wissen. Man muss es auch tun!

So erging es mir auch mit der Achtsamkeit. Die Erkenntnis war da, aber das Handeln funktionierte damit leider nicht automatisch.

Und so hab ich mich dann sozusagen gezwungen, achtsamer zu sein. Angefangen habe ich damit bei den Hundespaziergängen – denn da hatte ich ja meinen Mentor gleich an meiner Seite.

Natürlich nutze ich die Spaziergänge auch heute noch, um Ideen gedanklich durchzuspielen und nicht selten formuliere ich dort schon mal einen Blog-Beitrag oder Artikel im Kopf vor – aber ich nehme mir auch ganz bewusst Zeit, im Hier und Jetzt zu sein.

In jenen Momenten atme ich einfach tief durch, schließe kurz die Augen und höre auf die Geräusche im mich herum. Dann öffne ich die Augen, nehme meine Umgebung auch visuell war und lächle.

Das Lächeln hat wohl nichts mit der Achtsamkeit an sich zu tun, aber es kommt bei mir in diesen Momenten automatisch.

Die wahre Lebensweisheit besteht darin, im Alltäglichen das Wunderbare zu sehen.
(Pearl S. Buck)

Und ist das passiert, kann ich (fast) frei von allen Gedanken den Moment genießen und mich ganz dieser einen Sache widmen, die ich gerade tue. Ob ich gerade mit dem Hund unter einem Baum sitze, über den Feldweg spaziere oder Bällchen für ihn werfe, ist ganz egal. Ich bin dann einfach voll dabei.

Nach und nach kann ich diese Achtsamkeit auch in andere Lebensbereiche übernehmen. So habe ich beispielsweise angefangen, mir das Zeichnen beizubringen. Und sitze ich da mit Block und Stift, bin ich voll darauf fokussiert.

Achtsamkeit ist also ein Stück weit auch Fokus.

Was hilft dabei, Achtsamkeit zu lernen?

Ich denke, jeder muss seinen Zugang zu Dingen wie Achtsamkeit und ähnlichem finden. Es gibt kein Patentrezept.

Was mir aber sehr geholfen hat, überhaupt wieder zu fokussieren und Gedanken loszulassen, ist das Meditieren.

Ich meditiere inzwischen jeden Morgen und übe mich stetig darin, Gedanken vorbeiziehen zu lassen, anstatt sie festzuhalten. Und das ist nicht immer einfach.

Aber es macht mir einfacher, auch Achtsamkeit zu trainieren – denn die Basis ist gleich.

Außerdem finde ich die Atmung extrem wichtig. Wie schon beschrieben, zwinge ich mich hin und wieder zur Achtsamkeit, weil sie sich nicht einfach so von allein einstellt.

In diesen Moment atme ich ganz bewusst, konzentriere mich darauf, wie die Luft in mich hinein strömt und dann wieder entweicht.

Das zentriert mich irgendwie und ebnet mir dann den Weg dorthin, bewusst den Moment wahrzunehmen.

Was bringt Achtsamkeit?

Gut, ich bin jetzt also achtsamer geworden. Aber was bringt das eigentlich?

Kann ich jetzt stolz sagen, ich bin beim Trend dabei und weiß, wie es läuft?

Nein! Ob ich damit im Trend liege oder nicht, ist mir ehrlich gesagt völlig Schnuppe. Wichtig ist mir etwas ganz anderes.

Achtsamkeit nimmt mir immer wieder die Geschwindigkeit aus dem Leben. Das ist in etwas so, als würde bei einem Film für eine Minute alles in Zeitlupe laufen, bevor es im normalen Tempo weitergeht.

So ähnlich fühlt es sich für mich an. Für einen Moment ist alles etwas langsamer und ich hab Zeit zum Durchschnaufen.

Denke immer daran, dass es nur eine wichtige Zeit gibt: Heute. Hier. Jetzt.
Leo Tolstoi

Mir gibt das unheimlich viel Energie für den Alltag, deshalb bezeichne ich diese Momente für mich selbst gern als Mini-Urlaub.

Auch sorgt es dafür, dass ich mich nicht mehr zu sehr in Themen festbeiße, sondern Dingen auch einfach mal ihren Lauf lasse und dabei nur eine beobachtende Rolle einnehme.

Und das ist verdammt entspannend!

Hast Du Dich auch schon mit Achtsamkeit auseinander gesetzt? Und wie setzt Du sie um? Ich freu mich auf Deinen Kommentar!

Bild: unsplash!

1

17 Responses

  1. Hallo,

    so ein schöner Artikel! Ja, das Wort erscheint mir im Moment auch etwas überstrapaziert. Da stimme ich dir zu. Es taucht im Moment einfach überall auf.
    Allerdings hast du es schön auf den Punkt gebracht. Es ist eigentlich gar nicht so kompliziert, diese Sache mit der Achtsamkeit 😉

    Liebe Grüße, Lisa

    1. Nicole

      Danke, liebe Lisa! Es freut mich, wenn auch andere etwas mit meiner Definition anfangen können. Und ich liebe es, wenn ich Dinge simpel halten kann, deshalb versuche ich auch Achtsamkeit und anderes in dieser Richtung einfach zu gestalten.

  2. Wirklich sehr schöner Beitrag. Ich habe mich glaub noch nie so richtig damit auseinander gesetzt. Sollte ich wirklich mal machen.
    Aber es ist wirklich so geht man spazieren fallen einem lauter Dinge ein die man noch erledigen muss.

    LG Jasmin

    1. Nicole

      Ja, bis zu einem gewissen Grad ist das ja auch völlig in Ordnung. Aber mal so ein paar Minuten ohne das Nachdenken über Verpflichtungen etc. tun wirklich richtig gut

  3. Achtsamkeit bedeutet für mich, mich auch an kleinen Dingen zu erfreuen und besonders in der Natur Sachen zu bemerken, die einem sonst nicht auffallen würden. Es bedeutet für mich auch den respektvollen Umgang mit meiner Umgebung.

  4. Lia

    Es ist ein Prozess, der immer wieder geübt werden will. Schöner Beitrag. Ich versuche auch jeden Tag achtsam und bewusst zu leben.

    Herzlich,
    Lia

    1. Nicole

      Ja, ein Meister ist man darin wohl nie und man muss sich auch im Trubel des Alltags immer wieder selbst daran erinnern

  5. Das ist ein Grund, weshalb ich so gerne golfe. Beim Golfen konzentriere ich mich nur auf meinen Ball, das Loch und meinen Schwung. Ich bin komplett fokussiert und lasse mich nicht von zich anderen Dingen ablenken. Sehr entspannend.

    Lieben Gruß
    Jil

  6. Ich finde Achtsamkeit sehr wichtig und es fängt ja schon im Kleinen an! Das versuche ich auch meinen Kindern beizubringen!

    Ein toller Beitrag-vielen Dank dafür ❤️!

    Liebe Grüße
    Verena

    1. Nicole

      Oh, das ist schön, dass Du das auch schon Deinen Kindern vermittelst. So werden sie die Welt anders wahrnehmen und erleben

  7. Hallo, sehr schöner Beitrag. Witzig, dass du Achtsamkeit erst mit etwas Eso in Zusammenhang gebracht hast. Ich glaube ja auch, dass unsere Gesellschaft Esotherik ganz falsch versteht. Achtsamkeit wird vor allem in der Lehre Buddhas gelehrt.
    Mein Leben bestimmt mein eigenes Bewusstsein und Achtsamkeit. Achtsamkeit hat meiner Meinung aber nicht nur etwas mit sich selbst zu tun, sondern mit dem großen Ganzen. Z. b. Bedeutet dieses Wort auch aufeinander achten, bewusst zu leben, wertzuschätzen.. Wenn sich das mehr Menschen zu eigen machen würden, wäre vielleicht unsere Welt eine viel bessere…
    Danke für deinen Beitrag, regt mich fast zum philosophieren an… 😊

    Liebe Grüße und einen bewussten Sonntag

    1. Nicole

      Danke Stefanie, in deinem Text sind noch einige wertvolle Aspekte. Dank dieser Denkanstöße werd ich bestimmt gleich beim Spaziergang noch ein wenig philosophieren 😉

Leave a Reply